Kirchenkreis Fulda - „Junge, du wirst mal Pfarrer …“

Veranstaltungskalender Fulda

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Tageslosung

Großen Frieden haben, die dein Gesetz lieben; sie werden nicht straucheln.
Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit.

 

 

 

„Junge, du wirst mal Pfarrer …“
Ordination von Jonas Failing zum neuen Pfarrer der Friedenskirche in Bronnzell
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vorne v. l.: Pfarrerin Röder, Pfarrer Failing, Pröpstin Kropf-Brandau, Pfarrer Röder
hintere Reihe: Mitglieder des Kirchenvorstands
(Foto: Andreas Maraun)

Am 23. August 2020 wurde in der Bronnzeller Friedenskirche im Rahmen eines Festgottesdienstes Jonas Failing zum Pfarrer der evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck ordiniert sowie zum Pfarrer im Probedienst in der Pfarrstelle Bronnzell-Eichenzell beauftragt.

Auch wenn die Pandemie bzw. deren Auswirkungen überall zu spüren waren, gelang es dem Team dennoch, einen Gottesdienst zu gestalten und zu organisieren, den man nur rundum gelungen nennen kann. So wurden die zahlreichen Besucher bereits am Eingang von einem Hygieneteam begrüßt und mit regenbogenfarbenen Schlauchtüchern beschenkt, welche den Aufdruck trugen: „Schön, dass es dich gibt.“ Diese sollten im Gottesdienst die sonst üblichen Mund-Nase-Masken ersetzen und zugleich ein deutliches Zeichen an den neuen Pfarrer sein. 

Da die Sitzplätze im Kircheninnenraum aufgrund der aktuell einzuhaltenden Abstandsregeln reduziert werden mussten, wurde der Gottesdienst mittels eines Großbildschirms nach draußen übertragen, wo sich viele Besucher unter einem luftigen Zeltdach eingefunden hatten. 

Nach Orgelvorspiel und einem ersten Vortragsstück begrüßte Pfarrer Edwin Röder die Festgemeinde und die Ehrengäste. Auch wenn das traditionelle Friedenskirchenfest in diesem Jahr nicht stattfinden könne, so Pfarrer Röder, erlebe Bronnzell-Eichenzell mit der Ordination von Jonas Failing dennoch einen einzigartigen Gottesdienst. Er bedankte er sich herzlich bei seiner Ehefrau Pfarrerin Ulrike Röder und seinem Pfarrkollegen Holger Biehn für die tatkräftige Unterstützung während der Vertretungszeit wie auch bei den weiteren liturgisch Mitwirkenden, Pfarrer i.R. Burkhard Enners an der Orgel, Simone Möhring (Gitarre und Gesang) sowie den Kirchenvorstehern Wiebke Haipeter, Andreas Maraun und Roland Seitz.

In ihrer Ansprache stellte die Pröpstin des Sprengels Hanau-Hersfeld, Sabine Kropf-Brandau, zunächst der Gemeinde ihren neuen Pfarrer vor. So wollte etwa der junge Jonas trotz starker väterlicher Vorprägung (selbst Pfarrer) und dem gebetsmühlenartigen „Junge, du wirst mal Pfarrer.“ eben das nicht werden. Er widersetzte sich standhaft und studierte Politikwissenschaften, dann aber kam doch noch alles anders. Es folgte das Theologiestudium, er lernte seine Frau Annalena kennen, die als Pfarrerin in Schlüchtern tätig ist, wo beide aktuell auch wohnen.

Frau Kropf-Brandau ermutigte Herrn Failing, sich in seinem Amt Zeit zu nehmen, „zu hören und zu beten“, also seiner Gemeinde zuzuhören und ihre Anliegen vor Gott zu bringen, und dazu, wenn nötig, auch neue, kreative Möglichkeiten zu finden. Sie ermutigte ihn, Herausforderungen so unverzagt anzugehen, wie es bereits in dem von ihm ausgesuchten Ordinationsspruch aus dem Buch Josua, 1.9 zugesagt wird. Für seinen Dienst wünschte sie ihm „ein offenes Ohr und ein weites Herz“, dabei könne er sich sicher auf die Unterstützung seines Kollegen wie auch auf den Kirchenvorstand verlassen. Nach dem Lied „Vertraut den neuen Wegen“ vollzog Pröpstin Kropf-Brandau die Ordination, assistiert durch das symbolische Händeauflegen von Pfarrer Röder und dem stellvertretenden Kirchenvorstandsvorsitzenden Roland Seitz. Die Gemeinde bestätigte mit ihrem kräftigen Votum den Dienstauftrag an Pfarrer Jonas Failing.

In seiner ersten Predigt thematisierte Pfarrer Failing das Bedürfnis, das eigene Tun kontrollieren zu wollen und die daraus resultierende Angst, diese Kontrolle zu verlieren. Ein im Urlaub gelesener Ratgeber versprach, das eigene Chaos in den Griff zu bekommen, wenn man nur zu allem, was man tut, eine Liste macht. Und ja, er habe es ausprobiert. Dennoch, so Pfarrer Failing, habe diese Methode nach dem Prinzip „Hilf dir selbst“ auch ihre Grenzen, sie helfe nämlich nicht bei aufkommenden Zweifeln, Lebenskrisen oder wenn es „ans Eingemachte geht“. Es sei tröstlich zu wissen, dass Gott in solchen Situationen da ist und uns die gleiche Zusage mache wie vor tausenden von Jahren Josua in der Wüste: „Sei getrost und unverzagt, denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“

Der Dekan des Kirchenkreises Fulda, Bengt Seeberg begann im Anschluss an den Gottesdienst die Reihe der Grußworte. Er bedankte sich nochmals ausdrücklich bei dem Pfarrerehepaar Ulrike und Edwin Röder für das Aufrechterhalten des Gemeindelebens und die Durchführung der Gottesdienste in der mehr als einjährigen Vakanz. Pfarrer Michael Oswald von der Nachbargemeinde Sankt Peter überbrachte die Willkommensgrüße der katholischen Kollegen. Er betonte die gelebte Ökumene und die gute und enge Zusammenarbeit der beiden Konfessionen vor Ort.

Weitere Grußworte sprachen Pfarrer Holger Biehn aus Neuhof als Vertreter des Kooperationsraums Fulda-Süd sowie für die politischen Gemeinden Fulda, Künzell, und Neuhof der Künzeller Bürgermeister Timo Zentgraf und sein Eichenzeller Amtskollege, Johannes Rothmund.

Dass die Besucher sich sichtlich wohl fühlten, zeigte sich auch an der Vielzahl derer, die nach Gottesdienstende am anschließenden Empfang teilnahmen und noch einige Stunden auf dem Kirchenvorplatz verbrachten. Hierfür sorgten nicht zuletzt hessische Spezialitäten, zubereitet von Cornelius Spree-Henzler und seiner Frau Nadja, sowie Kaffee und Kuchen. Hier bot sich auch die ein oder andere Gelegenheit, den „Neuen“ persönlich zu begrüßen und ihn etwas näher kennen zu lernen.

Dieser Gottesdienst mit all seinen besonderen Umständen zeigte sehr eindrücklich, dass mit der richtigen Vorbereitung und angemessenem Verhalten öffentliches Gemeindeleben durchaus stattfinden und zudem noch Spaß machen kann, auch wenn das gemeinsame Singen schmerzlich fehlte.

(Text: Michael Haipeter)